Tipps zum Schreiben von Romance

Du hast eine Idee für ein Romance-Manuskript, weißt aber nicht, wie du starten sollst? Oder du hast bereits eine fertige Geschichte vor dir liegen, möchtest sie aber überarbeiten?

Egal, wo du beim Schreiben stehst – ob ganz am Anfang oder kurz vor der Ziellinie – meine Tipps helfen dir beim Plotten, Schreiben und Überarbeiten deiner Romance-Idee.

Tipp 1: 3-Akt-Struktur

Wenn du gerade die ersten Wörter aufs Papier bringst (oder in den Computer tippst) und dir noch keine Gedanken über den Aufbau deiner Geschichte gemacht hast, dann probiere doch folgende 3-Akt-Struktur aus:

Darauf aufbauend kannst du deinen Plot entwickeln, denn das Grundsätzliche hast du schon mal abgedeckt.

Tipp 2: Alter und Lebenssituation der Protagonisten

Bevor du wie wild drauflosschreibst, warte noch einen Moment und führe dir deine Zielgruppe vor Augen. Denn Alter und Lebenssituation deiner Protagonisten sollten auf sie abgestimmt sein.

Gehen die Protagonisten noch zur Schule und erfahren die erste Liebe? Sind sie Berufsanfänger und nebenbei auf der Suche nach sich selbst? Oder befinden sie sich auf dem Karrierehöhepunkt und wissen genau, was sie wollen? Etliche Ü-30-Jährige dürften Kinder haben, und Kinder sind eine herrliche Komplikation, wenn es um das Liebesleben eines Elternteils geht. Solange du eine passende Lebenssituation wählst, kannst du dich austoben.

Entscheide dich für Charaktere, mit denen du deine Leser/Leserinnen erreichen kannst. Wenn du die Lebenssituation, Ziele und Bedürfnisse deiner Protagonisten herausarbeitest, sorgst du für stimmige Charaktere, mit denen sich deine Zielgruppe identifiziert.

Das Alter wirkt sich auf die Lebenssituation, Ziele und Bedürfnisse der Protagonisten aus.

Beispiele:

AlterLebenssituation
< 19 JahreSchülerin oder Azubi, zum Teil ichbezogen, erfahrungssuchend
Mitte 20Studentin oder Berufsanfängerin, fortwährender Aufbau von Sicherheiten
Mitte 30Karrieristin oder Träumerin, relativ lebenserfahren
> 45 JahreExpertin im Beruf mit einer Menge Lebenserfahrung im Gepäck, gute Selbstkenntnis
Tipp 3: Einfluss des Alters auf das Verhalten

Nicht nur Alter und Lebenssituation hängen zusammen. Das Alter beeinflusst stark das Verhalten der Protagonisten.

Auch wenn Verhalten individuell ist: Jüngere Menschen verhalten sich oft impulsiver als ältere und zeigen öfter Stimmungsschwankungen. Junge Protagonisten/Protagonistinnen dürfen also durchaus mal erratisch agieren. Einem Noch-Teenager traut man zu, dass sie/er sich bei jedem Problem umdreht und weggeht. Bei einer Ü-30-Jährigen wirkt dasselbe Verhalten unreif bzw. unglaubwürdig.

Älteren Charakteren darf man ihre Lebenserfahrung anmerken. Sie können Konflikte zum Teil durch Nachdenken schneller lösen. Auch würden sie sich bei Problemen gegebenenfalls eher für eine Mediation entscheiden.

Nicht nur das Alter, auch der Lebensstil wirkt sich auf das Verhalten der Protagonisten aus. Bewegung und Meditation besitzen eine ausgleichende Wirkung auf Charaktere jeden Alters. Drogen haben einen gegenteiligen Effekt. Eine 20-Jährige, die viermal in der Woche zum Yoga geht, wird besonnener daherkommen als eine 30-jährige Alkoholikerin.

Behalte also das Alter und den Lebensstil im Auge, um glaubwürdige Charaktere zu entwerfen.

Tipp 4: Emotionale Last

Bei Romance liegt viel Gewicht auf den Protagonisten, die ihre Liebe entdecken. Hilfreich ist es deshalb, ausreichend emotionale Last für die Hauptpersonen zu erschaffen. Dadurch bekommen die Figuren mehr Tiefgang.

Die emotionale Bürde sorgt für Hindernisse, die die Geschichte komplexer machen. Und die Protagonisten müssen sich mit ihren wunden Punkten auseinandersetzen, bevor sie ihre inneren Konflikte meistern und der Liebe nichts mehr im Weg steht.

Beispiele für eine emotionale Last sind eine schmerzhafte Trennung oder der Verlust eines Familienmitglieds bzw. einer guten Freundin. Vergiss nicht: Auch wenn die Protagonisten zunächst leiden müssen, zum Schluss gibt es ein Happy End.

Tipp 5: Nebenhandlung finden

Auch wenn es beim Schreiben manchmal schwerfällt, das Pärchen kurz in den Hintergrund rücken zu lassen: Eine komplexe Nebenhandlung führt zu mehr Spannung und letztendlich zu einer interessanteren Story.

Ich empfehle daher, der Nebenhandlung genügend Raum zu geben. Such dir etwas aus, dass zu deiner Liebesgeschichte passt. Dann kannst du beide Handlungsstränge miteinander verweben.

Deine Protagonisten können sich voller Elan in die Nebenhandlung stürzen. Beispielsweise beinhaltet diese eine Reise in ein fremdes Land, einen Jobwechsel oder den Umzug in eine neue Stadt. Vielleicht passt auch die Vorbereitung auf einen sportlichen Wettkampf zu einer Figur. Durch die Nebenhandlung haben deine Protagonisten ein Ziel vor Augen und du kannst ihnen jede Menge Stolpersteine in den Weg legen.

Tipp 6: Storybeginn

Es ist oft der Beginn einer Geschichte, der die Leser/Leserinnen fesselt (oder leider nicht). Deshalb ist es sinnvoll, über den Einstieg nachzudenken.

Klappt es, mit der Liebesgeschichte zu beginnen? Einem ersten Treffen, einer zufälligen Begegnung? Oder macht es mehr Sinn, mit der Nebenhandlung zu starten?

Gerade wenn die Nebenhandlung viel Raum einnimmt oder viel Spannung enthält, funktioniert es gut, mit der Nebenhandlung zu starten. Sie setzt die ganze Geschichte in Gang und führt dazu, dass die Protagonisten aufeinandertreffen.

Beispiele:

Tipp 7: Ortswechsel

Natürlich kann die ganze Liebesgeschichte inklusive der Nebenhandlung an vertrauten Orten stattfinden. Allerdings hat ein Ortswechsel etwas Reizvolles.

Neuer Schwung kommt ins Leben der Protagonistin / des Protagonisten. Sie bzw. er muss sich in einem nicht vertrauten Sozialgefüge zurechtfinden, erlebt unbekannte Herausforderungen. Konflikte entstehen und die Figur muss Lösungen finden. Neue Freundschaften entwickeln sich.

Deine Leser/Leserinnen können zusammen mit der Protagonistin / dem Protagonisten die neue Welt erkunden und Positives sowie Negatives miterleben. Dabei kann der neue Ort sowohl das Fitnessstudio um die Ecke als auch ein fremdes Land oder eine magische Parallelwelt sein.

Tipp 8: Tropes

Etliche Tropes werden mit Romance in Verbindung gebracht. Und einige davon springen einem so offensiv ins Gesicht wie die Zecke nach der winterlichen Hungerpause. Besonders das Thema Enemies-to-Lovers wird oft bereits im Klappentext beworben. Andere Tropes verstecken sich so gut, dass die zugrundeliegenden Muster vielen nicht bewusst werden. Besonders ist das der Fall, wenn mehrere Tropes vorliegen und die Leser/Leserinnen sich auf das offensichtliche Motiv konzentrieren.

Beispiele für Tropes:

Tipp 9: First Contact

Egal ob du mit der Liebesgeschichte oder der Nebenhandlung startest: Die Leserinnen fiebern dem ersten Treffen der Protagonisten entgegen.

Natürlich kann Protagonistin (oder Protagonist) A kaum auf den ersten Blick erkennen, dass Protagonist B die Person ist, die sie komplettiert. Deshalb kannst du an dieser Stelle gut äußere Reize betonen. Hat der Protagonist schokoladenbraune Augen? Besitzt die Protagonistin lange Beine und riecht nach Erdbeerkuchen? Kann der Protagonist mit einer sanften Stimme punkten? Derartige Äußerlichkeiten sind plausibel genug, um das erste Interesse zu wecken. Zum Kennenlernen ist in weiteren Szenen noch genug Zeit.

In der Realität bringen übrigens überraschende Momente oder gemeinsame sportliche Aktivitäten Menschen einander näher. In Situationen, in denen der Puls steigt, verknüpfen wir automatisch den schnellen Herzschlag mit der Person, mit der wir in diesem Moment zusammen sind. Das Herzklopfen führt unbewusst dazu, dass wir uns eher zu dem anwesenden Menschen hingezogen fühlen. Vielleicht hast du ja Lust, einen spannenden oder sportlichen Moment in deine Geschichte einzubauen, um das Paar mit der zugrundeliegenden Biologie zu unterstützen.

Tipp 10: Konträre Lebensmittelpunkte der Protagonisten

Wie schreibt man ein total langweiliges Manuskript? Indem man keine Konflikte einbaut und es den Protagonisten dadurch richtig einfach macht.

Und wie erzeugt man Konflikte? Zum Beispiel durch konträre Lebensmittelpunkte der Protagonisten.

Du kannst in dein Manuskript Umstände einbauen, die dem Zusammenkommen der Protagonisten im Weg stehen. Unterschiedliche Heimatländer verhindern gekonnt, dass die Hauptfiguren sich ständig sehen können. Ebenso selten treffen sich die Charaktere, wenn ein Protagonist (oder die Protagonistin) ständig auf Reisen ist, der andere aber an einen Ort gebunden. Beides sind Beispiele für eine räumliche Trennung. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Protagonistin oder den Protagonisten zeitlich stark einzuschränken. Wenn die Protagonistin durch ihre familiären und beruflichen Verpflichtungen fast nie Zeit hat, können die Hauptpersonen im gleichen Stadtviertel wohnen und sich trotzdem nicht sehen (zeitliche Trennung).

Mach es deinen Charakteren also nicht zu einfach, sondern lass sie ruhig zu Organisationstalenten werden, damit sie sich treffen können.

Tipp 11: Divergente Erfahrungen der Protagonisten

Im 10. Tipp habe ich Beispiele genannt, wie du deinen Protagonisten durch äußere Umstände Steine in den Weg legen kannst. Heute geht es um innere Faktoren, nämlich um Erfahrungen, die zu Konflikten zwischen den Hauptfiguren führen.

Die Erfahrungen, die deine Figuren in der Vergangenheit gemacht haben, beeinflussen ihre jetzige Wahrnehmung. Das heißt, die Protagonisten sehen alle Ereignisse durch ihre spezifischen Filter. Und da Protagonistin/Protagonist A und Protagonistin/Protagonist B in der Vergangenheit verletzt wurden (siehe Tipp 4: Emotionale Last), suchen sie nach wiederkehrenden Mustern, die sie vermeiden müssen. Verschiedene Figuren deuten dieselbe Situation anders, und das führt zu Streit.

Wurde der Protagonist in der Vergangenheit finanziell oder emotional ausgenutzt, wird er jetzt empfindlich reagieren, wenn die Protagonistinin ihm eine ähnliche Geschichte auftischt wie die Ex-Freundin. Selbst dann, wenn die Geschichte diesmal der Wahrheit entspricht. Es gibt nicht umsonst den Spruch hurt people hurt people. Die Protagonisten müssen sich ihrem Schmerz stellen und die wunden Punkte in späteren Momenten besprechen. Aber zunächst können ruhig die Fetzen fliegen.

Tipp 12: Das Missverständnis – Ein Klischee?

Hast du Angst davor, in die Klischee-Falle zu tappen? Willst du deshalb Missverständnisse im Manuskript vermeiden?

Ich möchte dir zeigen, dass du dir keine Sorgen machen musst, was Missverständnisse angeht.

Tatsächlich sehen alle Menschen die Welt durch ihre Filter. Wir haben alle unterschiedliche Erfahrungen gemacht, und keine andere Person weiß, was einem selbst widerfährt. Wir setzen nur meist voraus, dass das, was wir erfahren, auch das ist, was unsere Mitmenschen erleben.

Unsere ähnlichen Erfahrungen und unsere ähnliche Sozialisation bewirken, dass wir wirklich viele Dinge ähnlich wahrnehmen. Aber ganz genau dasselbe durchleben wir trotzdem nicht. Deshalb müssen wir reden. Manchmal über banale Dinge. Über Situationen, die uns verletzen und die uns Angst machen, noch viel mehr. Das ist auch bei deinen Charakteren der Fall.

Fürchte dich also nicht vor Missverständnissen in deinem Manuskript. Wir selbst leben die ganze Zeit mit ihnen.

Tipp 13: Widersprüchliches Verhalten

Sicher hast du viel Zeit damit verbracht, stimmige Charaktere zu entwickeln. Manche Protagonistin grummelt öfter mal, eine andere reagiert ab und zu empfindlich … Aber dann sagen dir deine Testleser, dass Protagonistin A sich nie so verhalten würde, wie sie es im Manuskript tut?

Nun. Auch stimmige Charaktere dürfen widersprüchliches Verhalten an den Tag legen. Das tun Menschen in der Realität schließlich auch. Entscheidend ist, das Auftreten der Figuren plausibel zu machen.

Unsere Erfahrungen begründen unser Verhalten. Und die Erfahrungen der Protagonisten und Protagonistinnen müssen die Leserinnen kennen (oder anfangs zumindest erahnen können). Dann ist es verständlich, wenn Protagonistin A plötzlich die Krallen ausfährt, obwohl sie sonst ausgeglichen reagiert. Denn wenn sie sich angegriffen/verletzt fühlt, darf sie das zeigen.

Wenn du das Verhalten deiner Protagonisten begründest, erscheinen sie den Leserinnen bei widersprüchlichem Auftreten noch menschlicher.

Tipp 14: Punktestand auf dem Sympathiekonto

Zum Glück sind nicht alle Charaktere dauerlächelnde gute Feen. Interessanter werden sie, wenn sie Ecken und Kanten besitzen.

Doch was, wenn die Anzahl der Macken und Eigenarten insgesamt unsympathisch wirkt? Immerhin sollen die Leserinnen und Leser das Verhalten der Figuren nachvollziehen können. Und bei Romance sollen sich die Protagonisten anziehend finden.

Würde man selbst Dauernörgler, Zicken, die notorisch zu spät dran sind, oder arrogante Brummbären attraktiv finden? Solche Menschen würden einen eher nerven. Da könnten auch die langen Beine oder der trainierte Bizeps nicht darüber hinwegtrösten.

Negative Eigenschaften der Protagonisten kannst du jedoch zum Teil durch positives Verhalten ausgleichen. Hier kannst du dir ein Sympathiekonto vorstellen, auf dem die Charaktere Pluspunkte ansparen. Die Zicke kümmert sich liebevoll um einen kranken Freund? Das gibt Pluspunkte. Der Brummbär trägt der alten Nachbarin die Einkäufe? Da werden ebenfalls Pluspunkte gutgeschrieben. Natürlich werden bei unfreundlichem Verhalten Punkte abgezogen. Aber wenn du darauf achtest, dass der Kontostand nicht zu sehr ins Minus rutscht, werden deine Protagonisten sympathisch genug rüberkommen, sodass die Anziehung zwischen ihnen glaubhaft erscheint.

Tipp 15: Beste Freundin / Bester Freund

Leichter haben es deine Protagonisten, wenn sie sich den Widrigkeiten des Lebens nicht allein stellen müssen, sondern eine beste Freundin oder einen besten Freund an ihrer Seite haben. Die Besties dürfen die Hauptfiguren bei Konflikten der Nebenhandlung und der Liebesgeschichte tatkräftig unterstützen. Wenn die unglücklich Verliebten also in ein tiefes Loch fallen, können Freunde lebensrettend sein.

Außerdem helfen Freunde/Freundinnen dabei, die Hauptfiguren zu charakterisieren. Der Umgang zwischen der Protagonistin und der besten Freundin zeigt, wie die Charaktere normalerweise agieren. Sind sie eher humorvoll, schweigsam, hilfsbereit? Die beste Freundin kennt die Stärken und Schwächen der Protagonistin. Letztere muss sich nicht verstellen und kann sich authentisch von der besten Seite zeigen. Beim Kochen, beim Sport oder beim Telefonieren mit den Besties können eure Leserinnen und Leser die Protagonisten besser kennenlernen. Hier können die Figuren durch ihr Verhalten einfach Pluspunkte sammeln. Füge in dein Manuskript also gern Szenen mit der BFF ein.

Tipp 16: Haustiere

Viele Menschen mögen Haustiere, finden sie niedlich oder amüsant. Auch in Büchern werden Haustiere meistens positiv wahrgenommen. Außerdem können deine Protagonisten im Umgang mit Tieren wieder ganz leicht Pluspunkte sammeln. Besonders ist das der Fall, wenn sich die Figuren um streunende Exemplare kümmern. Wenn dem winselnden, fremden Hund Futter hingestellt wird oder die abgemagerte Katze ins Haus geholt wird, wirken deine Hauptfiguren gleich sympathischer. Falls das Verhalten deiner Protagonisten also bisher abweisend war, gib ihnen ruhig ein Haustier. Das wirkt ausgleichend auf die Charaktere, eröffnet storytechnisch neue Möglichkeiten und gibt Sympathiepunkte.

Tipp 17: Perspektive

Bei romantischen Texten möchten deine Leserinnen/Leser mit den Figuren mitfühlen und wissen, was in den Köpfen der Protagonisten vor sich geht. Beim Schreiben solltest du also viel Nähe zu den Figuren erzeugen. Das erreichst du durch eine personale Erzählstimme. Du kannst in der 3. Person schreiben oder – um den Charakteren noch näher zu sein – als Ich-Erzählerin. Dabei erleben deine Leserinnen direkt, was den Hauptfiguren widerfährt, welche Gedanken und Emotionen sie durchleben. Die Spannung durch Wissenslücken sorgt für Aha-Momente.

Wenn du dich für die Perspektive einer einzelnen Protagonistin entscheidest, kannst du gegebenenfalls mehr Spannung erzeugen. Denn die Gedanken und Gefühle der zweiten Hauptfigur sind nicht bekannt. Die Leser/Leserinnen müssen also mit der Protagonistin zittern und hoffen, dass die Liebe überhaupt erwidert wird. Gelegentlich entfaltet sich die Dramatik der Situation besser, wenn du die Perspektive wechselst und die Leserinnen die Gedanken und Gefühle beider Hauptfiguren kennen. Denn dann wissen die Leserinnen, dass sich beide Charaktere lieben, füreinander bestimmt sind und nur diese unfairen Umstände den Liebenden im Weg stehen.

Tipp 18: Zeitform

Prinzipiell funktionieren Präteritum und Präsens beim Schreiben von Romance. Heutzutage bevorzugen viele Romance-Autorinnen das Präsens, und die Leserinnen sind daran gewöhnt.

Der Vorteil vom Präsens liegt in der Nähe zur Hauptfigur. Die Leserinnen/Leser erleben unmittelbar, was die Protagonistin denkt und fühlt. Dadurch tauchen sie tief in die Geschichte ein. Tiefe Gedanken, die Sorgen und Ängste der Protagonisten werden durch Präsens sehr gut transportiert.

Allerdings hat Präsens auch einen Nachteil. Beim Schreiben verliert man sich leichter in Banalitäten. Da kann es passieren, dass die Protagonistin eine Seite lang darüber nachdenkt, welches Oberteil sie am besten anzieht. Oder ob sie lieber ein Brötchen oder ein Croissant beim Bäcker kauft (so viel zu tiefgründigen Gedanken). Dies bremst die Handlung. Wenn jede Überlegung ausformuliert wird, verlieren sich die Protagonistien nicht nur im Klein-Klein, sie fangen auch schnell an, ihre eigenen Gedanken zu analysieren, und eröffnen dadurch eine bewertende Ebene. Dies führt aus dem direkten Erleben heraus. Die Leserinnen schweifen an solch langatmigen Stellen schneller ab und legen im Worst-Case-Szenario das Buch aus der Hand.

Wenn du im Präsens schreibst, ist es beim Überarbeiten deshalb sinnvoll, gezielt nach Abschnitten zu suchen, in denen nur gedacht wird. Hier kannst du oft kürzen. Und ab und zu bietet es sich an, Gedankenmonologe in Dialoge umzuschreiben.

Tipp 19: Erotik

Milch mit Honig oder Chili pur? Die Erotik-Dosis in Romance schwankt stark, und das ist gut so. Dadurch finden alle Leserinnen den Genuss, den sie suchen.

Wenn du für dich schreibst, kannst du es dir gemütlich machen oder den Schritt aus der Komfortzone wagen. Beim Veröffentlichen ist es vorteilhaft, sich an anderen Büchern zu orientieren, die deiner Zielgruppe gefallen: Werden erotische Szenen dort explizit dargestellt oder wird auf das Geschehen nur kurz angespielt? Bei einigen Subgenres werden erotische Handlungen beispielsweise nur angedeutet (Christian Romance, Clean Romance, Young Adult).

Bei einer spannenden Nebenhandlung kann es sinnvoll sein, auf explizite Szenen zu verzichten bzw. diese an Stellen zu legen, an denen die Leserinnen nicht zitternd auf die Auflösung äußerer Konflikte warten. In nervenzerreißenden Texten werden ausschweifende Erotikszenen durchaus als Handlungsbremse wahrgenommen und überblättert. Und das wäre doch schade.

Tipp 20: First Kiss

Auf den ersten Körperkontakt freuen sich Leserinnen/Leser von Romance besonders. Deshalb darf beim ersten Kuss oder den ersten Berührungen gern rüberkommen, dass das Erlebte besser ist als alles Vergangene.

Die Leserinnen erwarten ohnehin ein Happy End für das Paar, aber ab dem ersten Kuss sehen sie die Protagonisten zusammen und wünschen sich, dass die beiden alle Probleme überwinden (und dass es mehr Erotik gibt). Deshalb wird es nach der ersten erotischen Szene schwieriger, das Buch aus der Hand zu legen. Die Protagonisten können also ruhig frühzeitig auf Tuchfühlung gehen. Selbst wenn gar nicht so viel passiert, wirkt es anschließend dramatischer, wenn das Paar durch Konflikte auseinandergerissen wird.

Tipp 21: Perfect Match

Kennst du das Gefühl, dass sich mit ein bisschen Glück alles wunderbar zusammenfügen könnte? So geht es vielen Leserinnen/Lesern von Romance mitten in einem neuen Buch. Damit das passiert, ist es hilfreich, wenn die Protagonistinnen zusammen ein perfect match bilden.

Das trifft zu, wenn die beiden unter anderem verbindende Gemeinsamkeiten besitzen. Hier werden beispielsweise gleiche Hobbys wichtig: Sind die Protagonisten kreativ oder sportlich? Reisen sie gern oder zocken am liebsten? Auch die Moralvorstellungen der Hauptfiguren sollten (bis auf Ausnahmen) eng beieinanderliegen.

Zusätzlich zu ihren Übereinstimmungen sollten sich die Charaktere außerdem ergänzen, sodass sie zusammen mehr sind als allein. Die Protagonisten zeigen durch ihre gegenseitige Unterstützung und Wertschätzung, was ihnen bisher im Leben gefehlt hat. Sie komplettieren einander.

Wenn diese Punkte im Text deutlich werden, ist klar, dass die Protagonisten füreinander bestimmt sind. Umso mehr werden es die Leserinnen lieben, wenn die Charaktere letztendlich zueinanderfinden.

Tipp 22: Perfect Place

Im letzten Tipp ging es um ein perfect match, heute dreht sich alles um den perfect place. Die Protagonisten tauchen im Lauf der Geschichte in die Welt der anderen Hauptfigur ein. Obwohl es dabei zum einen oder anderen Konflikt kommt, dürfen die Leserinnen eine Ahnung davon bekommen, dass eigentlich alles wunderbar passt (sobald die Konflikte gelöst sind).

Die Protagonisten fügen sich nämlich perfekt in das neue Sozialgefüge ein. Neue Freundschaften entstehen. Die Charaktere gehen in einem neuen Hobby auf. Prinzipiell macht der neue Job Spaß. Sprich: Die Protagonisten könnten an Ort und Stelle ein glückliches Leben führen. An dieser Stelle darf auch durchschimmern, was die Lösung der Konflikte beinhalten würde.

Tipp 23: Nebenhandlung bedingt räumliche Trennung

Damit deine Geschichte gegen Ende noch mal richtig spannend wird, kannst du bestehende Probleme zuspitzen. Prinzipiell funktioniert es bei Romance gut, wenn die Protagonisten auf Distanz zueinander gehen. Dabei lässt sich die Nebenhandlung gut dafür verwenden, die Protagonisten räumlich zu trennen.

Beispielsweise bietet sich die Rückreise einer Protagonistin in die Heimat an. Oder eine Hauptfigur beschließt, bisher verdrängte Angelegenheiten mit dem Ex-Partner zu klären. Bei sehr spannenden Nebenhandlungen könnte eine Protagonistin jetzt in die Hände der Bad Guys fallen. Hauptsache, die äußeren Umstände zwingen die Hauptfiguren dazu, Abstand zu nehmen.

Tipp 24: Filter bedingen emotionale Trennung

Willst du noch mehr aus deiner Geschichte rauskitzeln? Dann trenne deine Protagonisten nicht nur räumlich (wie im letzten Tipp angesprochen), sondern auch emotional.

In Tipp 11 und Tipp 12 habe ich die Filter aufgegriffen, durch die die Charaktere ihre Umwelt sehen und die gegebenenfalls zu Missverständnissen und zu Streit führen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Filterfalle noch mal zuschnappen zu lassen.

Eine Protagonistin taucht nicht zur verabredeten Zeit auf oder geht nicht ans Telefon? Die geliebte Person verschwindet in die Heimat? Da wird die zweite Hauptfigur keine äußeren Umstände als Ursache vermuten, sondern sich selbst als Grund sehen. Selbstzweifel und Ängste dürfen hier hochkommen. Das Selbstwertgefühl der Protagonisten befindet sich auf dem Tiefstand. Alles positiv Erlebte der Vergangenheit wird infrage gestellt.

Auch für die Leserinnen wird dieser Teil emotional. Gerade in diesem Moment fühlen sich viele an ein Buch gefesselt, möchten die Tiefen hinter sich lassen und das Happy End erfahren.

Tipp 25: Verknüpfung innerer und äußerer Konflikte

Möchtest du noch mehr Dramatik? Dann sorge dafür, dass sich die inneren Konflikte der Protagonisten mit den äußeren Konflikten verknüpfen lassen. Denn wenn die inneren Dämonen der Hauptfiguren und die äußeren Umstände ineinandergreifen (und es scheinbar keinen Ausweg gibt), erhältst du eine weitere Verschärfung.

Hier ein Beispiel: Potagonistin A sieht nur eine Möglichkeit, sich aus der Schuldenfalle zu befreien: Sie muss einen Teil des Familiengrundstückes an den schon drängelnden Nachbar verkaufen. Bei dem Land handelt es sich um ein hügeliges Feld (wirtschaftlich von minderer Qualität) mit angrenzendem Bach. Protagonistin A fühlt sich ihrer Familie verpflichtet und pflegt die Oma, was auf Dauer ans Geld geht. Für Protagonistin B kommt der Verkauf des Landes einer inneren Katastrophe gleich. Im Bach ist vor Jahren ihr jüngerer Bruder ertrunken, und Protagonistin B quält die Schuld, es nicht verhindert zu haben. Sie besucht die Stelle regelmäßig, stellt sich dort Gespräche mit ihrem Bruder vor und benötigt den Ort, um ihre innere Balance nicht zu verlieren. Hier gibt es genügend Raum für Dramatik.

Im Showdown deiner Geschichte befinden sich die Protagonisten schließlich am absoluten Tiefpunkt. Sie haben räumlich und emotional den größten Abstand zueinander.

Tipp 26: Lösung der äußeren Konflike

Jetzt geht es in großen Schritten auf das Manuskriptende zu, und endlich dürfen die äußeren Konflikte gelöst werden.

Um dabei glaubwürdig zu bleiben, ist es beim Plotten sinnvoll, den Problemen genügend Zeit zu widmen. Im Idealfall hast du dir schon beim Anlegen der Konflikte überlegt, wie die Protagonisten sie am Ende überwinden. Findet die Protagonistin in der Stadt ihrer Liebe einen neuen Job und zieht zu ihm/ihr? Besitzt der Protagonist Fähigkeiten, die ihm dabei helfen, der Protagonistin aus der Patsche zu helfen? Falls du zu den Pantsern gehörst: Prüfe, ob deine Lösung authentisch wirkt, und passe gegebenenfalls die Ausgangslage an.

Falls deine Nebenhandlung viel Raum einnimmt, darf auch das Auflösen der durch sie erzeugten Konflikte entsprechend viel Zeit in Anspruch nehmen.

Tipp 27: Lösung der inneren Konflikte

Natürlich dürfen die Protagonisten gegen Manuskriptende neben den äußeren Konflikten auch die inneren überwinden.

Dafür werden alte Wunden offengelegt und die resultierenden Probleme gelöst. Auslöser können bestimmte Ereignisse sein (äußere Umstände wirken auf das Innenleben der Charaktere). Wichtig ist, dass die Charaktere sich öffnen und ihre Schmerzpunkte besprechen. Die Selbsterkenntnis geht einher mit der Annahme durch die komplettierende Figur. Das Vertrauen zwischen den Protagonisten wird wiederhergestellt bzw. erhält ein neues Fundament. Dadurch wird der Weg endgültig frei für die Liebe.

Die Lösung der inneren und äußeren Konflikte kann entweder parallel oder nacheinander erfolgen.

Tipp 28: Happy End

Auf diesen Moment haben sich deine Leserinnen schon die ganze Zeit gefreut: Die Probleme sind – zumindest für den Augenblick – gelöst, und die Protagonisten haben sich füreinander entschieden. In Romance gibt es ein Happy End, und das darfst du ausgestalten.

Etliche Leserinnen/Leser empfinden an dieser Stelle Zufriedenheit und freuen sich mit den Protagonisten. Die erfundene Welt darf deshalb zum Abschluss sonnig aussehen. Im Happy End möchten viele Leserinnen eher keine Misstöne wahrnehmen. Weitere Konflikte kannst du dir ja für die Fortsetzung aufsparen.